ZiviZ-Survey:
Engagement für Bildung

Vereine, Stiftungen und Co: Die neuen Bildungspartner?

Die im Juni 2018 veröffentlichte Sonderauswertung des ZiviZ-Surveys 2017 hat ergeben, dass rund sich 16 Millionen Menschen ehrenamtlich im Bildungsbereich engagieren. Sie sind organisiert in knapp 300.000 gemeinnützigen Organisationen. Damit ist Bildung das zweitwichtigste Engagementfeld in Deutschland. Nur im Sportbereich gibt es noch mehr Vereine (und mehr Engagierte).

Sie entwickeln eigene Bildungsangebote, sind als Förderverein oder bildungspolitisch aktiv. Von den mehr als 630.000 Organisationen in der Zivilgesellschaft engagieren sich 297.000 gemeinnützige Organisationen im Bildungsbereich. Das ist ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten allein in den letzten fünf Jahren. Auch die Zahl der im Bildungskontext aktiven Stiftungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Doch neben den 280.000 Vereinen machen die annähernd 10.000 Bildungsstiftungen nur einen kleinen Anteil aus.

Der regelrechte Gründungsboom in den letzten 20 Jahren hat neue Organisationstypen hervorgebracht: Die "neue Bürgerschaft" (Beispiel: Fördervereine von Schulen) und die "neuen Professionellen" (Beispiel: meist öffentlich geförderte Einrichtungen, die unter anderem Förder- und Betreuungsangebote in Ganztagsschulen übernehmen). Sie unterscheiden sich erheblich in ihren Arbeitsstrukturen und arbeiten unterschiedlich stark mit anderen Bildungsakteuren zusammen.

Die meisten Kooperationen finden im schulischen Rahmen statt. In anderen Kontexten, wie lebenslangem Lernen, werden Vereine und Stiftungen bisher selten berücksichtigt. Vor allem ältere Organisationen, wie die klassischen Vereine, werden bislang kaum in die aktuelle Bildungslandschaft integriert. Gerade diese machen jedoch vielfältige Angebote, die sich nicht nur an Kinder richten, sondern auch an Erwachsene. Dabei geht es unter anderem um gezielte Weiterbildung für Senioren, wie etwa der Verein Computer Club Nürnberg 50 plus e.V., der ältere Menschen am Computer schult, um auch ihnen die digitale Welt näher zu bringen. Damit leisten Vereine wie dieser auch wertvolle Integrationsbeiträge und stärken auch den sozialen Zusammenhalt vor Ort.

Doch die meisten Vereine (90 Prozent) sind bislang nicht oder nur wenig in lokale Bildungslandschaften eingebunden. Das Konzept der Bildungslandschaften ist 70 Prozent der gemeinnützigen Organisationen noch nicht einmal bekannt. Aber auch andersherum bestehen Wissenslücken: Wie viele bildungsrelevante Akteure es aus der Zivilgesellschaft vor Ort gibt, ist den meisten Kommunen nicht bekannt.

Quelle: ZiviZ-Survey 2017, nur bildungsbezogene Organisationen, die Bildungsangebote bereitstellen, n=2.525 (gewichtet), davon fehlend: 515; *n<50

Handlungsempfehlungen

Um Potenziale von Bildungsakteuren in Zukunft nutzen zu können, definiert die Studie Handlungsempfehlungen an Politik und Zivilgesellschaft:

  • Vereinen, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Akteuren aus der Zivilgesellschaft sollte zukünftig mehr Sichtbarkeit verschafft werden, damit diese auch gezielt in Bildungskooperationen eingebunden werden können. Dafür müssen auch die Vereine und Verbände einen Beitrag leisten: Sie sollten sich stärker als Bildungsakteure positionieren, um sichtbar zu werden.
  • Eine große Herausforderung ist für viele Vereine nach wie vor, sich untereinander, mit öffentlichen Bildungseinrichtungen oder privaten Organisationen zu vernetzen. Gezielt Vernetzungsmöglichkeiten und auch an ehrenamtlich arbeitende Vereine angepasste Kooperationsformate anzubieten, wäre in vielerlei Hinsicht gewinnbringend: Es eröffne unter anderem Integrationsmöglichkeiten für ältere Menschen oder für Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig profitieren auch die Vereine davon, die über neue Netzwerke mehr Mitglieder und auch Ehrenamtliche gewinnen könnten.
  • Bund, Länder und Kommunen sollten darüber hinaus die Anerkennung von in Vereinen erworbenen Kompetenzen unterstützen, zum Beispiel indem diese stärker als bis im Deutschen bzw. im Europäischen Qualifikationsrahmen aufgenommen werden. Eine verbesserte Infrastruktur und intensivere Vernetzungsmöglichkeiten können das Bildungsengagement stärken und weiterentwickeln.

Weitere Publikationen und Präsentationen

Orte des lebenslangen Lernens
Policy Paper – Ausgabe 1: Die hohe gesellschaftliche Bedeutung von Bildung in Deutschland spiegelt sich darin wider, dass Bildung das Handlungsfeld bürgerschaftlichen Engagements mit dem größten Zuwachs ist.
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Bildungsakteure! Vereine, Stiftungen und Co.
Präsentation auf der Bundeskonferenz Bildungsmanagement am 25. Oktober 2018 in Berlin: Vereine sind Orte bürgerschaftlichen Engagements. 47 Prozent von ihnen bieten bildungsrelevante Aktivitäten.
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Engagement für Bildung boomt
Immer mehr Menschen engagieren sich in immer mehr gemeinnützigen Organisationen – für Bildung: Beitrag von Jana Priemer im Blog "Aus- und Weiterbildung" der Bertelsmann Stiftung. Veröffentlicht am 24. Oktober 2018.
Zum Blogbeitrag

 

 

Zivilgesellschaftliches Engagement für Bildung

Die im Oktober 2015 erschienene Bildungsstudie basiert auf der Sonderauswertung des ZiviZ-Surveys 2012. Einige Kernergebnisse der Untersuchung:

Jede vierte Organisation verortet ihre Aktivitäten im Bereich Bildung. Für 14 Prozent ist Bildung der Haupttätigkeitsschwerpunkt. 
In kaum einem anderen Bereich wurden in den letzten Jahren so viele Organisationen neu gegründet.
Der Verein als Rechtsform ist überwiegend vertreten. 74 Prozent der Bildungsorganisationen sind eingetragene Vereine.
Die typische Zielgruppe zivilgesellschaftlicher Organisationen sind Kinder und Jugendliche, aber auch Familien.

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Kontakt

Jana Priemer

ist Leiterin des Bereichs Organisierte Zivilgesellschaft.

T 030 322982-519
F 030 322982-569

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