Kulturfördervereine in Deutschland

Status und Handlungsbedarfe

Fördervereine liegen im Trend – besonders im Kulturbereich. Mehr als zwei Drittel der Kulturfördervereine wurden in den 1990er-Jahren gegründet, ein weiterer Gründungsschub folgte zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ob nun Theater oder Museen, Bibliotheken, Orchester oder Filmforen – sie alle profitieren von diesem enormen bürgerschaftlichen Engagement. Die Tradition reicht weit zurück ins 19. Jahrhundert.

Das vom Dachverband der Kulturfördervereine in Deutschland e.V. (DAKU) in Zusammenarbeit mit ZiviZ im Stifterverband und unter Beteiligung der Bundesverbände mehrerer Kultursparten entwickelte Policy Paper zeigt erstmalig auf, wie viele Kulturfördervereine es in Deutschland gibt und in welchen Strukturen sie arbeiten. Das Papier macht vor allem eines deutlich: Die bürgerschaftliche Mitverantwortung in der Kultur ist sehr hoch.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Über 10.000 Kulturförderverein gibt es bundesweit.
  • Fast alle Kultureinrichtungen in Deutschland werden heute von einem Förderverein unterstützt.
  • Die meisten Kulturfördervereine gibt es in Nordrhein-Westfalen.
  • Bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Anzahl an Kulturfördervereinen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz am höchsten, gefolgt vom Saarland und Sachsen-Anhalt.
  • Mehr als zwei Drittel der Vereine wurde seit den 1990er Jahren gegründet. Dieser Gründungstrend setzt sich weiter fort.
  • In den meisten Kulturfördervereinen (86 Prozent) arbeiten ausschließlich ehrenamtlich Aktive. Ohne sie gäbe es den Großteil der Kulturfördervereine nicht.
  • Die Mobilisierung von neuen Engagierten ist vor allem für kleine Kulturfördervereine nicht ganz einfach.
  • Einen Großteil ihrer finanziellen Ressourcen gewinnen Kulturfördervereine über Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Anhand der vorliegenden Daten zeigen sich Bedarfe in fünf Handlungsfeldern. Daraus leiten sich die Aufgaben ab, denen sich der im Juli 2018 gegründete Dachverband der  Kulturfördervereine in Deutschland e.V. (DAKU) zukünftig in Zusammenarbeit mit anderen mitgestaltenden Partnern aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft widmen wird. Damit sollen noch bessere Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement im Kulturbereich erreicht werden.

Das Policy Paper bildet somit nicht nur einen Leitfaden für die Arbeit des DAKU. Es ist auch als eine erste Bestandsaufnahme zu verstehen, die die dringende Notwendigkeit weiterer
Forschungen zum Status quo, zu Bedarfen und Anforderungen der Arbeit der Kulturfördervereine in Deutschland deutlich offenlegt.

Verteilung der Kulturfördervereine auf die Bundesländer (je 100.000 Einwohner und absolute Zahlen)

Die Zahlen basieren auf einer Stichwortsuche: Aus 597.109 eingetragenen Vereinen (was 99 Prozent aller Vereine entspricht) wurden all jene Vereine gefiltert, die anhand ihres Vereinsnamens als Kulturförderverein erkennbar sind. Ein Verein wurde dann als Kulturförderverein gewertet, wenn jeweils einer der Namensbestandteile auf einen Förderverein verweist. Dabei wurden 27 Suchbegriffe (wie Freunde und Förderer, Förderverein, Freundeskreis) berücksichtigt. Der Kulturbezug wurde über mehr als 500 Suchbegriffe (wie etwa Musik, Kunst, Theater, Museum, Chor, Oper, Blaskapelle) ermittelt. Über diesen Weg wurden 10.115 eingetragene Vereine ermittelt. Da es auch Kulturfördervereine gibt, die über eine solche Analyse nicht identifiziert werden können, ist sogar von einer höheren Zahl auszugehen.

Grundlage der Analyse ist der ZiviZ-Survey 2017. Der ZiviZ-Survey ist die erste Wiederholung der bislang einzigen repräsentativen Befragung gemeinnütziger Organisationen in Deutschland, die aufzeigt, wie sich die gemeinnützige Organisationslandschaft seit 2012 entwickelt hat. Die Erhebung wurde von September 2016 bis Februar 2017 durchgeführt. Von 71.382 angeschriebenen Organisationen beteiligten sich 6.300. Davon verorten sich 16 Prozent in das Haupthandlungsfeld Kultur und Medien, 19 Prozent davon geben an, ein Förderverein zu sein. Damit gingen 193 Fälle in die vorliegende Analyse ein.

Kontakt

Jana Priemer

ist Leiterin des Bereichs Organisierte Zivilgesellschaft.

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