ZiviZ-Survey

Der ZiviZ-Survey ist eine repräsentative Befragung der organisierten Zivilgesellschaft in Deutschland. Befragt werden Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften. Unser Ziel ist es, mit den Daten das öffentliche Bewusstsein für den wichtigen Beitrag dieser Organisationen zu stärken.

ZiviZ im Stifterverband hat den ZiviZ-Survey zum zweiten Mal durchgeführt. Damit stehen erstmals repräsentative Verlaufsdaten zur Entwicklung der Organisationen in der Zivilgesellschaft zur Verfügung. Am ZiviZ-Survey 2017 beteiligten sich mehr als 6.300 gemeinnützige Organisationen. Es ist die einzige repräsentative Befragung von Vereinen, Stiftungen, Genossenschaften und gemeinnützige Kapitalgesellschaften. Im aktuellen Survey wurden auch erstmals inhaltliche Schwerpunkte gesetzt, unter anderem zum Engagement im Bildungsbereich, zu Fördervereinen sowie zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen.

Der ZiviZ-Survey 2017 wird gefördert von der Bertelsmann Stiftung, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator.

 

ZiviZ-Survey 2017

Allen Thesen zum Vereinssterben zum Trotz: Die Zivilgesellschaft in Deutschland wächst. Heute gibt es mehr gemeinnützige Organisationen als je zuvor. Fast jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied in einem von mehr als 600.000 Vereinen in Deutschland. 95 Prozent der gemeinnützigen Organisationen sind Vereine, aber auch Stiftungen und Genossenschaften und andere Organisationsformen nehmen zu. Bei einem Drittel der Vereine stieg die Zahl der Mitglieder im Vergleich zum Jahr 2012. Nur ein kleiner Teil der Vereine gibt an, dass sie weniger Mitglieder und Engagierte haben.

Dennoch gibt es Unterschiede: Zwar ist der Bereich Sport mit 22 Prozent der größte Organisationsbereich. Aber hier sagen nur 32 Prozent der etwa 133.000 Vereine, dass ihre Mitgliederzahlen wachsen. Bei Vereinen, die Bürger- oder Verbraucherinteressen vertreten, sind es 51 Prozent.

 

Die wichtigsten Ergebnisse des ZiviZ-Surveys: Holger Krimmer (ZiviZ) beantwortet Fragen von Michael Sonnabend.

Zivilgesellschaft im Wandel

Die Zivilgesellschaft agiert heute zielorientierter als in der Vergangenheit. Städtische Zivilgesellschaften sind politischer, der ländliche Bereich stärker auf Integration orientiert. Ist das traditionelle Vereinswesen - wie Sport-, Freizeit- und Geselligkeitsvereine - auf dem Land fest verankert, sind in den Städten auch Stiftungen und gemeinnützige Kapitalgesellschaften zu finden. Hier spielen dienstleistungsorientierte oder politisch und sozial ausgerichtete Organisationen eine viel stärkere Rolle.

Jeder fünfte Verein ist ein Förderverein. Knapp 30 Prozent der heute mehr als 130.000 Fördervereine wurde erst nach dem Jahr 2006 gegründet. Damit ist der Förderverein eines der am stärksten wachsenden Segmente unter gemeinnützigen Organisationen. Fördervereine gibt es besonders häufig im Bildungs- und Erziehungsbereich sowie im Kulturbereich.

"Ohne bürgerschaftliches Engagement keine Zivilgesellschaft", stellt die Projektleiterin des Surveys, Jana Priemer, fest. 72 Prozent der Organisationen arbeitet ohne bezahlte Beschäftigte, also auf rein ehrenamtlicher Basis. Der Anteil ist seit 2012 leicht gesunken, vor allem in den Sport- und Freizeitvereinen. Damit setzt sich ein Trend fort, der sich bereits 2012 abgezeichnet hat.

"Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement zu verbessern. Nur so können noch mehr Menschen für zivilgesellschaftliches Engagement begeistert werden", meint Priemer weiter. Dazu gehören neben dem Abbau von bürokratischen Hürden auch konkrete Ansprechpartner in den Stadtverwaltungen.

 

Zivilgesellschaft verbindet

Organisationen leisten einen großen Beitrag zur sozialen Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund, das zeigt das Phänomen der Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise. 24 Prozent der gemeinnützigen Organisationen entwickeln gezielt Angebote für Migranten oder Flüchtlinge. Neben den Hilfsorganisationen haben sich auch zehn Prozent aller anderen Vereine und Stiftungen aus dem Sport und der Kultur, der Bildung und weiteren Feldern in der Flüchtlingshilfe engagiert.

In 17.000 Migrantenorganisationen organisieren sich Migranten und leisten ebenfalls Beiträge zur Integration. Migranten sehen offenbar ihre Interessen nicht immer in den bestehenden Organisationen vertreten. Was daran liegen mag, dass die Öffnungsprozesse der meisten Organisationen noch am Anfang stehen. Noch immer gelten Vereine oft als geschlossene Gruppen, was sich auch in den Daten widerspiegelt: Der Großteil der Organisationen gibt an, Mitglieder und freiwillig Engagierte seien kulturell eine eher homogene Gruppe. Das trifft auf 90 Prozent der Kirchen- und religiösen Vereinigungen zu, aber auch bei den Sport- und Freizeitvereinen sind es über 70 Prozent. Selbst in Organisationen, die in der internationalen Entwicklungspolitik aktiv sind, meinen 75 Prozent der Vereine, ihre Mitglieder haben eine ähnlich kulturelle Herkunft.

Vereine, Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen verstehen sich als Teil einer autonomen Zivilgesellschaft. Zwei von drei (64 Prozent) gemeinnützigen Organisationen halten es für richtig und wichtig, dass ihre Arbeit nicht vom Staat sondern von der Gesellschaft geleistet und finanziert wird. Ein knappes Drittel (31 Prozent) meint, ihre Arbeit solle zumindest durch den Staat finanziert werden. Nur sechs Prozent verstehen sich als Ausfallbürge und meinen, ihre eigene Arbeit solle von staatlichen Stellen geleistet werden.

 

Vorstellung des neuen ZiviZ-Surveys am 29. Juni 2017

Foto: Elke Jung-Wolff

Unter dem Titel "Vielfalt verstehen. Zusammenhalt stärken" hat ZiviZ erste Ergebnisse des neuen ZiviZ-Surveys auf einer Veranstaltung in Berlin präsentiert. Dort wurden die zentralen Erkenntnisse aus der Untersuchung vorgestellt und kommentiert. An Thementischen wurden die drei Schwerpunkte Flüchtlingshilfe, Arbeitsmarkt­integration und Migranten­organisationen vertieft. In einer abschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Rolle zivilgesell­schaftlicher Organisationen bei der sozialen Integration.
Details zum Programm

 

Präsentation mit den Ergebnissen des ZiviZ-Surveys 2017

Zentrale Erkenntnisse und Kennzahlen aus der Untersuchung im Überblick, unter anderem:
⦁    Anzahl der Vereine 1995 bis 2016
⦁    Entwicklung der Mitglieder- und Engagiertenzahlen
⦁    Entwicklung der Einnahmen seit 2012
⦁    Zivilgesellschaft als Ausfallbürge?
⦁    Angebote für Migranten und Flüchtlinge
⦁    Kulturelle Heterogenität der Vereinsmitglieder
⦁    Vereine mit Migrationsbezug
PDF-Download der Präsentation

 

 

ZiviZ-Survey 2012

Die zentralen Ergebnisse des ZiviZ-Surveys 2012 können Sie im Hauptbericht nachlesen. Der Bericht steht als PDF zur Verfügung. Gerne können Sie auch ein kostenloses Print-Exemplar anfordern: E-Mail senden

PDF-Download

 

Sonderauswertungen des ZiviZ-Surveys 2012

Datennutzung

Wir stellen unsere Daten für Forschungszwecke zur Verfügung. Die Nutzung ist jedoch ausschließlich für wissenschaftliche Forschungsprojekte, z.B. Master- oder Doktorarbeiten, oder für Forschungsarbeiten im Auftrag von Ministerien  möglich. Eine privat-gewerbliche Nutzung schließen wir aus. Neben den Daten des ZiviZ-Surveys stehen Vereinslisten zur Nutzung bereit, in der ein Großteil der in Deutschland existierenden Vereine namentlich aufgeführt ist. 

Nutzungsbedingungen
Wenn Sie wissenschaftlich mit ZiviZ-Daten arbeiten wollen, senden Sie uns bitte ein Kurz-Exposé zu Ihrem Forschungsvorhaben.  Für die Nutzung der Daten wird zwischen dem Antragsteller und uns ein Nutzungsvertrag geschlossen. Im Vertrag sind die Rechte und Pflichten von beiden Vertragsparteien geregelt. 

Datenschutz
Jegliche im ZiviZ-Datensatz enthalten Informationen, die Rückschlüsse auf einzelne Organisationen zulassen, werden aus dem Scientific-Use-File entfernt. 

Kosten 
Die Daten des ZiviZ-Surveys werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Grundgesamtheitsdaten wird eine Aufwandsentschädigung erhoben. Die Höhe hängt vom Umfang der genutzten Daten ab.

Kontakt

Jana Priemer

ist Projektleiterin.

T 030 322982-519
F 030 322982-569

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